Ergebnisse

1. Wichtige Punkte aus der Bestandsaufnahme
 
  2. Übertragbare Ergebnisse
   2.1. Funktion außerschulischer Lernorte (Friulaner)
   2.2. Einfluss des häuslichen Umfelds (Slowenen in Italien)
   2.3. Künstlerisch-musikalische Ausdrucksformen und Spracherwerb (Friulaner und Slowenen in Italien)
   2.4. Sprachpädagogisches Konzept für zweisprachige Kindergärten (Slowenen in Österreich)
   2.5. Konzept für die Ausbildung von Erzieherinnen (Ostfriesen und Westfriesen)
   2.6. Werbeveranstaltungen (Nordfriesen)
  3. Liste der Publikationen

1. Wichtige Punkte aus der Bestandsaufnahme

  • In allen beteiligten Sprachgruppen gibt es Vorurteile gegenüber der Zwei- oder Mehrsprachigkeit und gegenüber der Regional- oder Minderheitensprache.

  • Die Aus- und Fortbildung von Erzieherinnen und Lehrkräften ist bezüglich der Didaktik des Sprachenlernens antiquiert.

  • Es gibt keine durchgängigen Curricula für den Spracherwerb (der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule ist zu wenig koordiniert, im Sekundarbereich fehlt meistens der Anschluss).

  • Die Alphabetisierung wird nicht konsequent genug betrieben.

  • Der Transfer von Lernergebnissen aus der Zweitsprache in die Muttersprache bei mehrsprachigen Kindern wird ignoriert.

  • Die staatliche Administration schafft nicht die für eine breite oder flächendeckende Einführung von Immersionsunterricht notwendigen Voraussetzungen.

  • Bei den meisten besteht ein Mangel an gutem didaktischem Material auf allen Ebenen.

  • Teilweise fehlt die Akzeptanz der Eltern (Minderwertigkeitskomplexe in der Sprechergemeinschaft).


    Ein grundlegendes Dilemma kleiner Sprachgruppen ist, dass die Bevölkerung grundsätzlich an dem Erhalt der Regional- oder Minderheitensprache interessiert ist und junge Eltern sich überzeugen lassen, dass die zwei- oder mehrsprachige Erziehung für ihre Kinder vorteilhaft ist. Wenn die staatlichen Rahmenbedingungen die Bemühungen um den Erhalt der Sprache jedoch nicht stützen (keine Sonderregelungen für zweisprachige Kindergärten, keine spezielle Qualifizierung der Erzieherinnen und Lehrkräfte, keine gesonderte Schulgesetzgebung, nicht genügend Wertschätzung für den Wert der sprachlichen Ressourcen von zweisprachigen Regionen), werden viele Kräfte ohne Aussicht auf eine dauerhafte Stabilisierung der Lage verbraucht.

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  • 2. Übertragbare Ergebnisse

    2.1. Funktion außerschulischer Lernorte (Friulaner)

    Das Sprechen einer Regional- oder Minderheitensprache muss für das Kind sinnhaft sein, sonst wird es sich dieser Sprache nicht bedienen. Dieser Sinn erschließt sich dem Kind innerhalb der Ausbildungsinstitution jedoch nur in einem begrenzten Raum. In dem Moment, wo der Kontakt mit Menschen im vertrauten Umfeld oder die Wahrnehmung der natürlichen Umgebung in der Regional- oder Minderheitensprache hergestellt wird (außerschulische Lernorte) und diese Erfahrung reproduzierbar ist, wird eine starke Motivation zum Erlernen und zur ungelenkten Anwendung dieser Sprache im Kinde ausgelöst.

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    2.2. Einfluss des häuslichen Umfelds (Slowenen in Italien)

    In dem Video-Film "VideoABECEDA" wird eine enge Verbindung zwischen Sprache und Kultur hergestellt. Der Film wurde für die Eltern der Kinder gedreht. Er wirkt direkt in die Familien zurück und leistet dort einen Beitrag zur Alphabetisierung. Gleichzeitig werden wichtige geschichtlich-kulturelle Informationen über die eigene Sprachgruppe vermittelt, die das Selbstbewusstsein der Sprecher stärken. Die positive emotionale Einstellung in der Familie zur slowenischen Sprache, zu den eigenen Traditionen und zur eigenen Kultur wirkt sich wiederum motivierend auf den Spracherwerb der Kinder aus.

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    2.3. Künstlerisch-musikalische Ausdrucksformen und Spracherwerb (Friulaner und Slowenen in Italien)

    Bei der Verbindung von Spracherwerb und künstlerisch-musikalischen Ausdrucksformen lag die Annahme zu Grunde, dass sich die hierdurch erzielte erhöhte emotionale und sinnliche Beteiligung vorteilhaft auf den Spracherwerb auswirken könnte. Die Erfahrungen sowohl bei den Friulanern als auch bei den Slowenen in Italien bestätigen diese These. Die Verbindung mit Musik, Theater oder Bewegung wirkt stimulierend auf die Lernsituation und die Lernmotivation. Die Aufnahme- und Reproduktionsfähigkeit der Kinder verbesserte sich in allen sprachlichen Bereichen. Kinder mit Vorkenntnissen zeigten eine deutliche Verbesserung im Verständnis der Minderheitensprache und in der eigenen mündlichen Produktion.

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    2.4. Sprachpädagogisches Konzept für zweisprachige Kindergärten (Slowenen in Österreich)

    In Zusammenarbeit mit der Universität in Klagenfurt wurde ein sprachpädagogisches Konzept für zwei- oder mehrsprachige Kindergärten in Kärnten erarbeitet. Die Grundregel lautet, dass der Einsatz mehrerer Sprachen im Kindergarten nur dann bewusst erfolgen kann, wenn er einer festen Regelung folgt. Die Kindergärten können personen-, zeit- oder themenbezogene Modelle mischen. Wichtig ist nur, dass es eine festgelegte Planung gibt, die dann auch eingehalten wird. Nur durch eine solche Planung ist gewährleistet, dass die Sprachen gleichberechtigt und abwechselnd zu allen Tageszeiten und in allen Aktivitäten des Kindergartens benutzt werden.

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    2.5. Konzept für die Ausbildung von Erzieherinnen (Ostfriesen und Westfriesen)

    Bei diesem Konzept wurde insbesondere auf die speziellen Rahmenbedingungen für das Arbeiten mit einer Regional- oder Minderheitensprache im Kindergarten geachtet. Die meisten weniger verbreiteten Sprachen haben Image- und Anerkennungsschwierigkeiten. Hieraus können Probleme mit Kindern, Eltern, Trägern des Kindergartens, Kinderärzten oder Logopäden entstehen, die auf Unkenntnis oder Vorurteilen der Beteiligten beruhen. Diese Konfliktpotentiale sollten in der Ausbildung von Erzieherinnen thematisiert werden, damit sich die Schülerinnen ihrer eigenen Einstellung zur Regional- oder Minderheitensprache bewusst werden und sich argumentativ vorbereiten können. Hierdurch erhöht sich ihre persönliche Sicherheit im Umgang mit der weniger verbreiteten Sprache (unabhängig davon, ob sie sie selbst sprechen oder nicht), was wiederum sowohl für den Umgang mit den Kindern (emotionale Wärme) als auch für die Außenwirkung des Kindergartens (selbstbewusstes Vertreten des mehrsprachigen Konzepts) von zentraler Bedeutung ist.

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    2.6. Werbeveranstaltungen (Nordfriesen)

    Der für die Werbung bei Eltern, Erzieherinnen und Lehrkräften erstellte Videofilm "Zwei sind mehr als Eine" zeigt einmal mehr, dass gerade kleine Sprachgruppen sehr viel Wert auf den Zusammenhang zwischen Sprache und geschichtlich-kultureller Identität legen. Dieser erzeugt, wie bereits für den Spracherwerb dargestellt, emotionale Offenheit gegenüber den kognitiven Inhalten und verstärkt somit die positive Wirkung einer Werbeveranstaltung. Kleine Sprachgruppen sind umso mehr auf diesen Effekt angewiesen, als sie sich meistens nur wenig auf eine entsprechende Wertschätzung ihrer Regional- oder Minderheitensprache innerhalb der staatlichen Strukturen berufen können. Je fester eine weniger verbreitete Sprache im Ausbildungssystem und im staatlichen Handeln verankert ist, desto eher kann sie bei der Werbung auf den Hinweis auf ihre geschichtliche und kulturelle Einzigartigkeit verzichten.

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    3. Liste der Publikationen

    • "Zwei sind mehr als Eine - Friesisch im Kindergarten und in der Schule". Film für Werbeveranstaltungen mit Eltern, Erzieherinnen und Lehrkräften in Nordfriesland (Video und DVD)
    • 4 Jahrgangsbände für den Spracherwerb von Saterfriesisch in der Grundschule (mit 3 Begleitheften)
    • "Geschichte, Kultur und Sprache des Saterlandes". Unterrichtseinheit für den Sachkundeunterricht in der Sek. I.
    • Bestandsaufnahme der Situation von Regional- oder Minderheitensprachen im Kindergarten- und Grundschulbereich (vergleichende Untersuchung westfriesischer Studenten zu der Situation des Nordfriesischen, des Niederdeutschen in Ostfriesland, des Westfriesischen, des Sorbischen und des Slowenischen in Kärnten)
    • Konzept für einen Kurs "Frühe Mehrsprachigkeit unter Einbeziehung der Regionalsprache Plattdeutsch" in der Ausbildung von Erzieherinnen (Lehrplan)
    • Ostfriesische Landschaft (Hrsg.): "Frühe Mehrsprachigkeit unter Einbeziehung der Regionalsprache Plattdeutsch", Material- und Arbeitsmappe für einen Kurs in der Ausbildung von Erzieherinnen. Aurich 2003.
    • Ostfriesische Landschaft (Hrsg.): "Mehrsprachigkeit in der Vor- und Grundschulperiode - Schwerpunkt: Bilingualer Unterricht". Aurich 2003. (Dokumentation der Projektaktivitäten und -ergebnisse in Ostfriesland)
    • Mili Kuncic, Miriam Strmenik, Georg Gombos: "Skozi leto". Drava Verlag 2003. ISBN 3-85435-407-X (Aus- und Fortbildungsmappe für Erzieherinnen in zweisprachigen Kindergärten in Kärnten).
    • CD-Rom über die Projektaktivitäten in Friaul
    • Istituto per l'istruzione slovena (Hrsg.): "VideoABECEDA". San Pietro al Natisone 2003 (Video mit Begleitheft).
    • Istituto per l'istruzione slovena (Hrsg.): "Eva e Ivo - storie per scrivere". San Pietro al Natisone 2003 (ein Kurs zur gleichzeitigen Alphabetisierung in Italienisch und Slowenisch).
    • Istituto per l'istruzione slovena (Hrsg.): "DELOVNI LISTI ZA VRTEC". San Pietro al Natisone 2003 (Arbeitsblätter für den Kindergarten).

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