EU-Projekt "Mehrsprachigkeit in der Vor- und Grundschulperiode"

Regionale Aktivitäten: Ostfriesen (Niederdeutsch)

Die Sprachgruppe der Niederdeutschen wird durch das Plattdütskbüro der Ostfriesischen Landschaft betreut.

Ostfriesische Landschaft Tel.: 0049-4941-1799-52
Regionalsprachliche Fachstelle / Plattdütskbüro Fax: 0049-4941-1799-70
e-mail: platt@ostfriesischelandschaft.de
Postfach 1580
D - 26585 Aurich
Projektleitung vor Ort: Cornelia Nath, M.A.
 

(Auskünfte in Hochdeutsch, Plattdeutsch, Italienisch, Französisch, Englisch, Niederländisch)
Tel.: 0049-4941-1799-58

 

Projektthemen in Ostfriesland: 1. Erzieherinnenausbildung mehr >>>
 

2. Bilingualer Unterricht in der Grundschule mehr >>>

 

 

 

Erzieherinnenausbildung

Inhalte und Ziele
In Zusammenarbeit mit den Berufsbildenden Schulen I (BBS) in Emden und der Fachhochschule Ostfriesland werden im Bereich frühe Mehrsprachigkeit Lerninhalte für die Erzieherinnenausbildung ausgearbeitet und erprobt.
Im Schuljahres 2001/2002 wird in der Oberstufe der BBS I in Emden das Thema Mehrsprachigkeit als zusätzliches Unterrichtsfach angeboten und evaluiert werden.
Projektziel ist es, eine überall verwendbare Mappe mit Bausteinen für die Ausbildung von Erzieherinnen zu konzipieren.

Kooperationspartner: Westfriesen (Instituut Onderwijs Christelijke Hogeschool Noord Nederland)
wissenschaftliche Betreuung: Ank van Alten (Westfriesland)


Verlauf
Im Juni 2001 hat ein dreitägiges Planungsseminar für die Lehrkräfte in der Erzieherinnenausbildung unter der Moderation von Ank van Alten (NL, wissenschaftliche Begleiterin dieses Projektteils) stattgefunden. Im Schuljahr 2001/2002 wurde an der BBS I Emden zum ersten Mal ein Kurs für angehende Erzieherinnen und Erzieher angeboten, der sich mit der frühen Mehrsprachigkeit unter Einbeziehung der Regionalsprache Niederdeutsch beschäftigte. Traute Philipps und Erika Winter, beide Lehrerinnen an der BBS I Emden, haben 16 Schülerinnen und Schüler in drei Wochenendseminaren mit den theoretischen und praktischen Grundlagen der Mehrsprachigkeit bei Kindern im Vor- und Grundschulalter sowie mit Plattdeutsch als Zweitsprache vertraut gemacht. Den Absolvent/inn/en des Kurses wurde von der BBS ein Zertifikat verliehen. Im Schuljahr 2002/2003 wurde der Kurs erneut mit 14 Schülerinnen und Schülern durchgeführt, diesmal als benoteter Wahlpflichtkurs.

Im August 2002 fand eine Studienfahrt der ostfriesischen Lehrkräfte in der Erzieherinnenausbildung nach Leeuwarden (NL) zu den Westfriesen statt. Thema: Lehrplan für die Erzieherinnenausbildung. Es wurden dort u.a. die dreisprachige Grundschule in Holwert und eine zweisprachige Kindertagesstätte in Leeuwarden besucht.
Vom 6. - 8. September 2002 fand in Aurich das Auswertungsseminar zu dem Arbeitsschwerpunkt statt. Als Expertin nahm Ank van Alten aus Westfriesland an der Auswertung teil. Hauptthemen waren die Auswertung der Studienfahrt nach Leeuwarden (26.-28. August 2002) und die Struktur der Ausbildungsmappe für Erzieherinnen zum Thema "frühe Mehrsprachigkeit". Die Mappe wurde als Ringbuchmappe angelegt, damit Ergänzungen einsortiert werden können. Sie enthält theoretische und praktische Teil e.

Ergebnisse
Die Ostfriesen und die Westfriesen haben gemeinsam mit Lehrkräften von Berufsbildenden Schulen ein ausführliches inhaltliches Konzept für die Ausbildung von ErzieherInnen erarbeitet. Hierbei wurde insbesondere auf die speziellen Rahmenbedingungen für das Arbeiten mit einer Regional- oder Minderheitensprache geachtet. Die meisten weniger verbreiteten Sprachen haben Image- und Anerkennungsschwierigkeiten. Die daraus entstehenden Konfliktpotentiale sollten in der Ausbildung von Erzi eherInnen thematisiert werden, damit sich die SchülerInnen ihrer eigenen Einstellung zur Regional- oder Minderheitensprache bewusst werden und sich argumentativ vorbereiten können. Hierdurch erhöht sich ihre persönliche Sicherheit im Umgang mit der weniger verbreiteten Sprache (unabhängig davon, ob sie sie selbst sprechen oder nicht), was wiederum sowohl für den Umgang mit den Kindern (emotionale Wärme) als auch für die Außenwirkung des Kindergartens (selbstbewusstes Vertreten des mehrsprachigen Konzepts) von zentraler Bedeutung ist.



Publikationen:
  • Ostfriesische Landschaft (Hrsg.): Frühe Mehrsprachigkeit unter Einbeziehung der Regionalsprache Plattdeutsch. Material- und Arbeitsmappe für einen Kurs in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern. Aurich 2003.

  • Frühe Mehrsprachigkeit unter Einbeziehung der Regionalsprache Niederdeutsch. Konzept für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern (Lehrplan). Fotokopiert.

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    Bilingualer Unterricht in der Grundschule

    Inhalte und Ziele
    Ein Arbeitskreis von Lehrkräften aus Grundschulen, der im Regionalen Pädagogischen Zentrum (RPZ) der Ostfriesischen Landschaft angesiedelt ist, wird sich mit verschiedenen Möglichkeiten bilingualen Unterrichts (Hochdeutsch - Niederdeutsch) befassen.
    Im Schuljahr 2001/2002 werden verschiedene Methoden, angefangen von Plattdeutsch als Begegnungssprache bis hin zum 100%igen Immersionsunterricht, an einzelnen Grundschulen erprobt und evaluiert.

    Kooperationspartner: Prof. Dr. Henning Wode, Englisches Seminar der Christian- Albrechts-Universität Kiel (http://www.uni-kiel.de)
    wissenschaftliche Betreuung: Garrelt van Borssum, Tel.: 0049-0491-9923530

    Verlauf
    Im Juni 2001 fand ein eintägiges Vorbereitungsseminar für die Projekt beteiligten Lehrkräfte mit dem Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Henning Wode vom Englischen Seminar der Universität Kiel (wissenschaftlicher Betreuer dieses Projektteils) statt. Hierbei wurde festgelegt, wieviel Unterricht im Schuljahr 2001/2002 an den beteiligten Grundschulen auf Plattdeutsch erteilt werden soll. Im Oktober 2001 hat eine Studienfahrt ostfriesischer Lehrkräfte aus den Grundschulen zu den Slowenen in Österreich stattgefunden. Thema: bilingualer Unterricht in der Grundschule - Rahmenbedingungen und Methoden. Im August 2002 fand ein zweitägiges Evaluationsseminar für die am Projekt beteiligten Lehrkräfte mit dem Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Henning Wode vom Englischen Seminar der Universität Kiel (wissenschaftlicher Betreuer dieses Projektteils) statt. Es wurden grundsätzliche Erkenntnisse über frühe Mehrsprachigkeit zusammengefasst, Methoden und Materialien erläutert sowie aktuelle Planungen in den beteiligten Schulen besprochen. Im Vorfeld des Seminars wurden mit Prof. Wode Unterrichtsbesuche in den Grundschulen Wallinghausen, Simonswolde und Reepsholt durchgeführt.

    Ergebnisse
    Im Schuljahr 2001/2002 haben sieben Grundschulen aus Ostfriesland im Arbeitskreis "Zweisprachigkeit in der Grundschule" mitgearbeitet und erstmals systematisch Plattdeutsch als zweite Unterrichtssprache eingesetzt (Immersion).
    Grundsätzliche Erkenntnisse über frühe Mehrsprachigkeit von Prof. Dr. Henning Wode zusammengefasst:
  • Die Qualität des Spracherwerbs ist abhängig von - der Intensität des Sprachkontakts (möglichst 60 % - 70 % des Unterrichts in der zu erlernenden Sprache, z. B. das gesamte Curriculum mit Ausnahme des Deutschunterrichts), - der Dauer des Sprachkontakts (möglichst 5 - 6 Jahre, also Kindergarten und Grundschule / je früher man anfängt, desto mehr Jahre kann man für den Spracherwerb einsetzen), - der Alphabetisierung in der zu erlernenden Sprache (Schriftlichkeit führt zu anderen sprachlichen Mustern als die Mündlichkeit. Reine Mündlichkeit birgt die Gefahr des Abstiegs einer Sprache zum Dialekt.)


  • Kinder, die ohne Vorkenntnisse in der zu erlernenden Sprache in die Grundschule kommen, haben nach zwei Jahren Kinder mit Vorkenntnissen eingeholt.


  • Günstig ist es, wenn nicht mehr als 1/3 der neu eingeschulten Kinder ohne Vorkenntnisse sind, weil die 2/3 mit Vorkenntnissen in der zu erlernenden Sprache das andere Drittel mitziehen.


  • Ein sinnvoller Aufbau beim Sprachenlernen in Ostfriesland könnte sein: Plattdeutsch bis zum Ende der Grundschule mit hohem Zeitanteil. Ab dem 3. Schuljahr mit Englisch beginnen, ab dem 5. Schuljahr Englisch mit hohem Zeitanteil.


  • Unter den jetzigen Bedingungen kann die Alphabetisierung der Kinder auf Hochdeutsch erfolgen. Die Alphabetisierung in der neuen Sprache (Plattdeutsch) wird von den Kindern allein bewältigt.



  • Methoden:
    Als wichtigste Methode wurde die Kontextualisierung genannt: Die Kinder müssen begreifen können, worum es geht, auch wenn sie die neue Unterrichtssprache noch nicht verstehen. Es sollten möglichst viele Sprechanlässe für die Kinder geschaffen werden. Es sollten möglichst verschiedene Stimmen (Mann/Frau, jung/alt) in den Unterricht einbezogen werden, z. B. durch Besucher oder Ausflüge (Prinzip des offenen Unterrichts, Einbeziehung des schulischen Umfeldes).


    Fortsetzung an den beteiligten Grundschulen:
    Es ist geplant, den Einsatz des Plattdeutschen als Unterrichtssprache in den einzelnen Grundschulen folgendermaßen weiterzuführen:

    Carolinensiel: Im 2. Schuljahr Mathematik und Sport auf Platt (Weiterführung über zwei Jahre). Der Hausmeister spricht nur Platt mit den Kindern.

    Reepsholt: 20 Minuten pro Mathematikstunde, Musik und evtl. Sachkunde auf Platt (im Unterricht des Schulleiters). Mit Alphabetisierung.

    Simonswolde: Im 1. Schuljahr soll erreicht werden, dass Plattdeutsch in allen Unterrichtsfächern außer Deutsch benutzt wird (Weiterführung über alle vier Schuljahre möglich). Mit Alphabetisierung.

    Wallinghausen: Im 1. Schuljahr Mathematik und Sport auf Platt (Neuerprobung, muss mit den Eltern besprochen werden). Im 2. Schuljahr Mathematik und Sport auf Platt (Weiterführung über drei Jahre möglich).


    Weiterführung der Arbeit:
  • Diskussion des Konzepts dreisprachiger Schulen in Westfriesland (NL), damit eine konzeptionelle Erweiterung stattfinden kann.

  • Versuch, eine wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse zu organisieren.



  • Publikationen:
  • Ostfriesische Landschaft (Hrsg.): Mehrsprachigkeit in der Vor- und Grundschulperiode - Schwerpunkt: Bilingualer Unterricht. Aurich 2003. (Dokumentation der Projektaktivitäten und -ergebnisse in Ostfriesland)



  • Am Projekt beteiligte Grundschulen und Lehrkräfte

    Grundschule Wallinghausen
    Frau Dagmar Lamberts (Rektorin)
    Wallinghausener Str. 117
    D - 26605 Aurich
    Tel.: 0049-4941-3701

    Grundschule Burhafe
    Frau Erika Janssen
    Upsteder Straße 7
    D - 26409 Wittmund
    Tel.: 0049-4973-383
    Grundschule Georgsheil
    Herr Uwe Wiemer (Rektor)
    Georgsheiler Weg 36
    D - 26446 Friedeburg
    Tel.: 0049-4468-373

    Grundschule Reepsholt
    Herr Hartwig Bothen (Rektor)
    Langstraßer Weg 17
    D - 26624 Südbrookmerland
    Tel.: 0049-4942-783
    Grundschule Carolinensiel
    Frau Janssen-Niemann (Rektorin)
    Wittmunder Str. 22
    D - 26409 Wittmund
    Tel.: 0049-4464-437
    Grundschule Simonswolde
    Frau Grete Saathoff
    Wiethorn Ihlower Str. 80
    D - 26632 Simonswolde
    Tel.: 0049-4929-337

    Grundschule Blomberg
    Frau Anne Heiken
    Grüner Weg 3
    D - 26427 Neugaude
    Tel.: 0049-4977-307